Kurort ohne Chance

Nach fast 30 Jahren Ortsentwicklung unter “Marktwirtschaftsbedingungen” ist es eine bittere Wahrheit, dass in Bad Muskau die Kurortentwicklung ein kümmerliches Dasein führt. Sie wird auf das Maß begrenzt, dass Negativschlagzeilen bislang zum Teil vermieden wurden. Abgesehen von den Tiefschlägen: Schließung des Moorbades, Abriss der 1986 neu gebauten Kinderkureinrichtung, Scheitern der Kurressorts Lohse Wiesen und Brauerei. Sicher lag das nicht nur an der Stadt.

Die wichtigsten Erfolge zum Thema Kur: die Solebohrung, Sicherung des Moores und die Titelverteidung waren und sind wichtig. Für einen lebendigen, modernen Kurort ist es zu wenig. Gesundheitstouristen und Kurpatienten haben in der Gegenwart ganz spezielle Ansprüche. Sie wollen ein überzeugendes medizinisches Angebot und ein Kurort mit Flair. Auch Abends.Und wollen einen an Barrieren armen Ort. Beschaulich. Ohne störenden Durchgangsverkehr, mit einem schnellen Internet und Handynetz. Mit interessanten regionalen Angeboten, die durchaus da sind, aber oft gesucht werden müssen. So dreht sich eine Spirale ins Negative. Kein Angebot, keine Nachfrage, keine Kaufkraft, keine florierenden Läden, kein Angebot.

Die Antwort wäre: alle, die etwas von Gesundheitsangeboten verstehen, an einen Tisch. Regelmäßig. Zielstrebig geführt vom Bürgermeister. Die Ärzte, die Physiotherapeuten des Ortes, die Sportanbieter. Klare erreichbare Ziele formulieren, regelmäßig die Öffentlichkeit informieren. Die Angebote aus Bad Muskau sollen in allen kooperierenden Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern ausgelegt werden. Ein entsprechendes Treffen hatte ich dem Bürgermeister vorgeschlagen und konkrete Termine eingereicht. Aber wann wird man sich wirklich an einen Tisch setzen? Bislang gab es im Rahmen des Gutachtens von Prof. Resch nur ein paar Gesprächsrunden in kleinen Kreis. Abgesehen von einem Gutachten, dass mir nur zum Teil übermittelt wurde und einem Folgebeschluss wurde kein einziger Stein in Bad Muskau bewegt. So wichtig der Kurtitel ist. Er ist eine Chance. Nicht mehr, nicht weniger. Bislang wurde diese grundsätzlich nicht genutzt.

Hier haben Parlament und Verwaltung seit 1989 bis auf den heutigen Tag in ihrer Gesamtheit versagt. 2016 sollte es eine Entscheidung zum Kurmittelhaus geben.  Es ist bei dem Auftrag geblieben, zuletzt erneut als Auftrag an den Bürgermeister formuliert. Aber was passiert wirklich?

Wenn man konkrete Vorschläge zum Thema Kurmittelhaus einbringt, kommt gelegentlich das Totschlagargument: Man brauche eine Millionenspende für ein Kurmittelhaus. Diese habe man nicht. Somit könne die Stadt nicht handeln. In dieser Logik liegt zeigt sich die bedrückende Unkenntnis des aktuellen Gesundheitsmarktes.  Natürlich ist die alte Badekur als Kassenleistung tot. Aber es gibt auch in unserer Region eine große Nachfrage nach Heilbehandlungen bei Rücken – und Gelenkschmerzen, bei Arthrose und Rheuma. Das waren unsere Patienten, aber wer denkt dabei an Hilfe aus Bad Muskau? Würden Sie Ihre anderenorts wohnenden Bekannten nach Bad Muskau zum Kuren einladen? Oder nehmen wir hin, dass diese Patienten keine Hilfe im traditionsreichen Kurort Bad Muskau bekommen oder nach Kolberg oder Bad Flinsberg fahren?    ML

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